Pflege und Pflegegrade

Von den einfachen Hilfestellungen im Alltag bis zur umfassenden Pflege. Das Angebot unseres Hauses richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen (Pflegegrade) und Wünschen unserer Bewohner.

 

Was sind Pflegegrade?

 

Seit Januar 2017 werden Pflegebedürftige und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz wie Demenzkranke, längerfristig psychisch Erkrankte oder geistig Behinderte je nach ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit in die fünf Pflegegrade 1, 2, 3, 4 und 5 eingestuft und erhalten entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung.

 

Die drei bis Ende 2016 gültigen Pflegestufen 1,2 und 3 sowie die Anerkennung von eingeschränkter Alltagskompetenz z.B. von Demenzkranken („Pflegestufe 0“) wurden durch die Pflegegrade komplett ersetzt.

 

Warum Pflegegrade statt den bisherigen Pflegestufen?

 

Lange Zeit hat die deutsche Pflegeversicherung insbesondere die vielen Menschen mit Demenz benachteiligt, die körperlich zumeist noch gesund sind, aber dennoch viel Betreuung und Zuwendung brauchen. Sie erhielten weniger oder vor 2012 so gut wie keine Leistungen von ihren Pflegekassen.

 

Der Grund: In erster Linie erfuhren körperlich erkrankte Versicherte jeden Alters Unterstützung von der Pflegeversicherung. Denn nur bei körperlichen Erkrankungen und dementsprechend notwendigen Pflegehilfen bei Körperpflege, Ernährung und Bewegung durften die Pflegekassen bis Ende 2016 die Pflegestufen 1, 2 oder 3 und die damit verbundenen Pflegeleistungen genehmigen.

 

Schrittweise hat der Gesetzgeber seit 2012 daher immer mehr Pflegeleistungen für Demenzkranke und andere Menschen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz wie psychisch Kranke oder geistig Behinderte eingeführt.

 

Das Pflegestärkungsgesetz II brachte zu 2017 endlich eine völlige leistungsrechtliche Gleichstellung von demenzkranken und körperlich erkrankten Pflegebedürftigen: Seitdem erhalten Demenzkranke und körperlich Pflegebedürftige, die den gleichen Pflegegrad erhalten und somit ähnlich selbstständig oder unselbstständig eingeschätzt werden, Anspruch auf die gleichen Leistungen ihrer Pflegekassen.

 

Wie erhalten Pflegebedürftige die neuen Pflegegrade?

 

Wer seit 2017 erstmals einen Antrag auf Pflegegrad bei seiner Pflegekasse stellt, wird nach dem neuen Prüfverfahren NBA

(„Neues Begutachtungsassessment“) persönlich begutachtet.

Dabei ermitteln Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder die MEDICPROOF GmbH bei privat Versicherten den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit und empfehlen ggf. einen Pflegegrad, in den der Versicherte eingestuft werden sollte.

Letztlich entscheidet die Pflegekasse des Antragstellers über die Genehmigung eines Pflegegrades und der damit verbundenen Pflegeleistungen.

 

Wie selbstständig ein Antragsteller noch ist, ermitteln die Prüfer nach einem vorgegebenen Punktesystem. Dabei gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete laut dem für die Begutachtung vorgeschriebenen Fragekatalog erhält -- einen umso höheren Pflegegrad und umso mehr Pflege- und Betreuungsleistungen genehmigt seine Pflegekasse. Das heißt entsprechend des Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse, ob sie ihrem Versicherten einen Pflegegrad zubilligt oder seinen Antrag ablehnt.

 

Wer im Jahr 2016 bereits eine anerkannte körperliche Pflegebedürftigkeit (Stufe 1, 2 oder 3) und eine anerkannte eingeschränkte Alltagskompetenz (sog. „Pflegestufe 0“) hatte, wurde nicht erneut begutachtet. Entsprechend der folgenden Pflegegrade Tabelle wurden anerkannte Pflegestufen dann automatisch umgewandelt und der Pflegegrad bestimmt.

 

 

Hier sehen Sie die Pflegegrade-Übersicht mit den jeweils notwendigen Punktzahlen zusammengestellt:

 

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit                             (12,5 bis unter 27 Punkte)

  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit                   (27 bis unter 47,5 Punkte)

  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit                    (47,5 bis unter 70 Punkte)

  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit                    (70 bis unter 90 Punkte)

  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung                        (90 bis 100 Punkte).

 

Einzige Ausnahme: Pflegebedürftige mit besonderen Bedarfskonstellationen, die bis 2016 als "Härtefälle mit Pflegestufe 3" bezeichnet wurden, die einen „spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die Pflegeversorgung“ haben, können Pflegegrad 5 erhalten, auch wenn sie die dafür notwendige Mindestzahl von 90 Punkten bei der Begutachtung nicht erreicht haben.

 

Das neue Begutachtungsassessment (NBA)

 

Die sechs Module die bewertet werden sind:

  • Mobilität (körperliche Beweglichkeit, Fortbewegen, Treppensteigen)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und sprechen, Orientierung über Ort und Zeit, etc.)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Unruhe in der Nacht, Ängste oder Aggressionen, etc.)
  • Selbstversorgung (selbstständig essen, waschen und auf die Toilette gehen, etc.)
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (Fähigkeit Medikamente selbstständig einzunehmen, Zurechtkommen mit Hilfsmitteln wie Rollator, selbstständig den Arzt aufsuchen können, etc.)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (Tagesablauf selbstständig gestalten, mit anderen Menschen in Kontakt treten, etc.)

 

 

 

 

 

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